Entdecke den faszinierenden Backsteinexpressionismus in Hamburg, eine einzigartige Architekturströmung der 1920er-Jahre, die das Stadtbild bis heute prägt. Dieser Blogpost nimmt dich mit auf eine Reise zu ikonischen Bauwerken wie dem Chilehaus im UNESCO-Welterbe Kontorhausviertel und den prägnanten öffentlichen Bauten von Fritz Schumacher. Erfahre mehr über die charakteristischen Merkmale, die Bedeutung des Materials Klinker und die Geschichten hinter den expressiven Fassaden, die Hamburgs maritime Identität widerspiegeln und eine spannende kulturelle Entdeckung versprechen.
Hamburg, du faszinierende Stadt an der Elbe! Du bist bekannt für deinen Hafen, die Speicherstadt, die Elbphilharmonie und natürlich für dein maritimes Flair. Doch hast du schon einmal genauer hingeschaut, welche architektonischen Schätze sich in deinen Straßen verbergen? Abseits der glitzernden Fassaden und historischen Gassen wartet eine ganz besondere Stilrichtung darauf, von dir entdeckt zu werden: der Backsteinexpressionismus. Diese einzigartige Bauweise prägte Hamburg in den 1920er-Jahren maßgeblich und verleiht vielen Gebäuden eine unverwechselbare, fast skulpturale Ästhetik. Tauche mit uns ein in die Welt der roten Klinker, expressiven Formen und beeindruckenden Details, die das Stadtbild bis heute prägen und eine spannende Reise durch die Architekturgeschichte Hamburgs versprechen. Der Backsteinexpressionismus in Hamburg ist mehr als nur alte Gebäude – er ist ein lebendiges Stück Stadtgeschichte, das Geschichten von Handel, Aufbruch und künstlerischem Ausdruck erzählt.
Key Facts zum Backsteinexpressionismus in Hamburg
Der Backsteinexpressionismus in Hamburg ist ein faszinierendes Kapitel der Architekturgeschichte. Hier sind die wichtigsten Fakten, die du kennen solltest:
- Entstehung: Der Stil entwickelte sich hauptsächlich in den 1920er-Jahren in Deutschland, mit regionalen Schwerpunkten in Norddeutschland und dem Rhein-Ruhrgebiet.
- Charakteristika: Typisch sind die Verwendung von Backstein und Klinker, eine ornamentale Formensprache mit rauen, kantigen, oft spitzen Elementen und die Lebendigkeit der Fassaden durch gezielte Steinsetzung.
- Wichtigste Vertreter in Hamburg: Architekten wie Fritz Höger (Chilehaus), Hans und Oskar Gerson (Sprinkenhof) und Fritz Schumacher (zahlreiche öffentliche Bauten) prägten den Stil maßgeblich.
- UNESCO-Welterbe: Das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus ist seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, was die internationale Bedeutung des Backsteinexpressionismus in Hamburg unterstreicht.
- Materialwahl: Hartgebrannte Klinker waren besonders beliebt, da sie den klimatischen Bedingungen standhielten und eine reiche Farbpalette sowie charakteristische Oberflächen boten.
- Zweck: Viele Bauten dienten als Kontorhäuser für den boomenden Überseehandel, aber auch öffentliche Gebäude und Wohnsiedlungen wurden in diesem Stil errichtet.
- Künstlerische Details: Ergänzt wurden die Fassaden oft durch Bauplastiken aus Klinker-Steinen und Keramik, beispielsweise von Richard Kuöhl.
Die Wiege des Backsteinexpressionismus in Hamburg – Das Kontorhausviertel
Wenn du an den Backsteinexpressionismus in Hamburg denkst, kommt dir wahrscheinlich sofort das Kontorhausviertel in den Sinn. Und das zu Recht! Dieses einzigartige Ensemble mächtiger Backsteinbauten, südlich der Mönckebergstraße gelegen, ist nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern seit 2015 zusammen mit der benachbarten Speicherstadt Hamburg auch UNESCO-Weltkulturerbe. Es ist ein Ort, an dem sich Hamburgs Handel ein Denkmal setzte und die Vision einer modernen, funktionalen Stadt in atemberaubender Weise umgesetzt wurde.
Das Herzstück und wohl bekannteste Gebäude ist das Chilehaus. Entworfen von Fritz Höger und zwischen 1922 und 1924 erbaut, ist es ein Meisterwerk des Backsteinexpressionismus. Seine spitz zulaufende Fassade, die an einen Schiffsbug erinnert, symbolisiert Hamburgs Verbindung zur Seefahrt und zum Überseehandel. Die vertikale Gliederung, die expressionistischen Ornamente und die kunstvolle Verwendung von Klinker, teils sogar fehlgebrannte Steine für besondere Effekte, machen es zu einem unverwechselbaren Bauwerk. Höger schuf hier nicht nur ein Bürogebäude, sondern ein Kunstwerk, das die Dynamik und den Geist der Zeit einfängt. Die Fassaden leben durch die gezielte Setzung der Backsteine zu Mustern und die beeindruckenden Keramikskulpturen von Richard Kuöhl.
Doch das Chilehaus ist nur ein Teil des Ganzen. In unmittelbarer Nachbarschaft findest du weitere imposante Zeugen des Backsteinexpressionismus in Hamburg: den Sprinkenhof, den Meßberghof (ehemals Montanhof) und den Mohlenhof. Der Sprinkenhof, entworfen von Hans und Oskar Gerson, beeindruckt mit seinen drei Innenhöfen und einer ebenfalls sehr detaillierten Backsteinfassade. Hier siehst du, wie die Architekten mit Vor- und Rücksprüngen, Rundungen und geometrischen Mustern spielten, um den riesigen Gebäudekomplex lebendig wirken zu lassen. Diese Gebäude wurden in Skelettbauweise errichtet, was eine flexible Raumaufteilung im Inneren ermöglichte – perfekt für die damaligen Im- und Exportfirmen.
Ein Spaziergang durch das Kontorhausviertel ist wie eine Reise in die 1920er-Jahre. Du wirst staunen, wie viel Liebe zum Detail in jedem Winkel steckt. Achte auf die kunstvollen Treppenhäuser, die oft frei zugänglich sind und mit ihren Materialien und Formen eigene kleine Kunstwerke darstellen. Sie erzählen die Geschichte einer Zeit, in der Architektur nicht nur funktional, sondern auch ein Ausdruck von Identität und Fortschritt war. Der Backsteinexpressionismus in Hamburg zeigt sich hier in seiner reinsten und monumentalsten Form, ein Muss für jeden Besucher.
Fritz Schumacher: Der Visionär Hamburgs und seine Backstein-Bauten
Neben den spektakulären Kontorhäusern prägte ein weiterer Architekt den Backsteinexpressionismus in Hamburg maßgeblich: Fritz Schumacher. Als damaliger Oberbaudirektor der Hansestadt (von 1909 bis 1933) hatte er einen enormen Einfluss auf die Stadtentwicklung und das Erscheinungsbild Hamburgs. Schumacher war ein Verfechter einer „Neuen Stadt“ und setzte sich für eine Baukultur ein, die sowohl funktional als auch ästhetisch anspruchsvoll war, dabei aber auf traditionelle Materialien wie Backstein setzte. Er sah im Backstein das ideale Material, um einen norddeutschen Charakter in der Architektur auszudrücken und gleichzeitig die Dynamik der modernen Zeit widerzuspiegeln.
Schumachers Werk umfasst zahlreiche öffentliche Bauten, die bis heute das Stadtbild prägen. Ein herausragendes Beispiel ist die Finanzdeputation am Gänsemarkt, die mit ihrer klaren Formensprache und den charakteristischen Backsteinfassaden überzeugt. Auch das Krematorium auf dem Friedhof Ohlsdorf zeugt von seinem sensiblen Umgang mit dem Material und der Form, um eine würdevolle Atmosphäre zu schaffen. Schumacher war auch maßgeblich am Bau zahlreicher Schulen beteiligt, darunter das Walddörfer-Gymnasium in Volksdorf und die Schule in der Jarrestadt. Diese Gebäude zeichnen sich durch ihre Robustheit, ihre durchdachte Funktionalität und ihre oft spielerischen Details in der Backsteingestaltung aus.
Sein Einfluss ging über einzelne Gebäude hinaus. Schumacher prägte ganze Stadtteile und legte den Grundstein für das, was wir heute als „Hamburger Schule“ des Backsteinexpressionismus kennen. Er verstand es, das traditionelle Material Backstein in eine moderne Formensprache zu übersetzen, die sowohl bodenständig als auch ausdrucksstark war. Seine Bauten sind nicht nur architektonische Zeugnisse, sondern auch ein Spiegel der sozialen und kulturellen Entwicklungen im Hamburg der Zwischenkriegszeit. Wenn du mehr über den allgemeinen Stil erfahren möchtest, lohnt sich ein Blick auf den Wikipedia-Artikel zum Backsteinexpressionismus.
Mehr als nur Kontore – Wohnsiedlungen und ihre Bedeutung
Der Backsteinexpressionismus in Hamburg beschränkt sich nicht nur auf repräsentative Kontorhäuser und öffentliche Gebäude. Auch im Wohnungsbau fand dieser Stil in den 1920er- bis 1960er-Jahren weite Verbreitung und prägte ganze Siedlungen. Gerade für Menschen mit schmalem Einkommen entstanden in dieser Zeit backsteinerne Wohnkomplexe, die eine „Neue Stadt“ für alle Bürger schaffen sollten. Diese Siedlungen waren oft Teil größerer städtebaulicher Planungen, die auch Grünflächen und eine verbesserte Infrastruktur berücksichtigten.
Einige dieser bemerkenswerten Backsteinsiedlungen findest du in den Stadtteilen Hamm, Horn und im oberen Borgfelde. Hier kannst du auf deinen Streifzügen durch Hamburg eine ganz andere Facette des Backsteinexpressionismus entdecken. Die Gebäude mögen auf den ersten Blick schlichter wirken als die Prachtbauten im Kontorhausviertel, doch auch hier offenbart sich die Liebe zum Detail in der Anordnung der Ziegel, den Fensterformen und den oft kunstvollen Eingangsportalen. Sie erzählen die Geschichte des sozialen Wohnungsbaus in Hamburg und des Bestrebens, auch funktionalen Gebäuden eine ästhetische Qualität zu verleihen.
Die Bedeutung dieser Siedlungen wird auch dadurch unterstrichen, dass sie heute durch Städtebauliche Erhaltungsverordnungen geschützt sind. Diese Verordnungen stellen sicher, dass der charakteristische Baustil und das städtebauliche Gesamtbild bewahrt bleiben. So kannst du auch in Zukunft diese authentischen Zeugnisse des Backsteinexpressionismus in Hamburg erleben und die Vision einer lebenswerten Stadt für alle Schichten nachvollziehen. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, abseits der bekannten Touristenpfade in die lokale Geschichte einzutauchen und Hamburgs vielfältige Architektur zu erkunden.
Zeitlose Faszination und aktuelle Relevanz
Die Faszination für den Backsteinexpressionismus in Hamburg ist ungebrochen. Die Gebäude dieser Epoche sind nicht nur beeindruckende Zeugnisse einer vergangenen Zeit, sondern auch lebendige Bestandteile des modernen Stadtbildes. Ihre Robustheit, die ästhetische Qualität des Materials und die oft einzigartigen Formen machen sie zu zeitlosen Schönheiten, die auch heute noch Architekten und Besucher gleichermaßen inspirieren.
Der UNESCO-Welterbestatus des Kontorhausviertels mit dem Chilehaus hat die internationale Aufmerksamkeit auf diesen besonderen Stil gelenkt und seine Bedeutung für das kulturelle Erbe der Menschheit unterstrichen. Es ist ein Beweis dafür, dass die Architektur der 1920er-Jahre in Hamburg eine Vorreiterrolle spielte und bis heute Maßstäbe setzt. Auch wenn einige der Architekten, wie Fritz Höger, in ihrer politischen Biografie umstritten sind, bleibt ihr architektonisches Vermächtnis ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte, das kritisch reflektiert und gewürdigt wird.
Die Gebäude des Backsteinexpressionismus sind nicht nur Denkmäler, sondern werden weiterhin genutzt und belebt. Sie beherbergen Büros, Geschäfte und Wohnungen und sind somit integraler Bestandteil des täglichen Lebens in Hamburg. Sie erzählen Geschichten von Innovation, Handwerkskunst und dem Wunsch, das Stadtbild mit ausdrucksstarker Architektur zu gestalten. Wenn du mehr über die allgemeine Geschichte Hamburgs und ihre Prägung erfahren möchtest, lohnt sich ein Besuch im Museum für Hamburgische Geschichte.
Fazit
Der Backsteinexpressionismus in Hamburg ist weit mehr als nur ein Baustil – er ist ein Spiegelbild der Seele der Hansestadt. Er erzählt von der Kraft des Handels, dem Pioniergeist der Architekten und dem Wunsch, in einer Zeit des Umbruchs etwas Bleibendes und Ausdrucksstarkes zu schaffen. Von den majestätischen Kontorhäusern im Herzen der Stadt bis zu den charmanten Wohnsiedlungen in den äußeren Bezirken – überall begegnest du den roten Klinkern, die Geschichten flüstern und Blicke fesseln.
Diese architektonische Reise durch Hamburg zeigt dir eine Stadt, die ihre Wurzeln nicht vergessen hat, aber stets nach vorne blickt. Der Backsteinexpressionismus ist ein unverzichtbarer Teil der Hamburger Identität und ein Beweis für die visionäre Kraft ihrer Baumeister. Wenn du das nächste Mal durch Hamburg schlenderst, nimm dir einen Moment Zeit, um die Details dieser beeindruckenden Gebäude zu bewundern. Du wirst sehen, wie lebendig und faszinierend die rote Seele Hamburgs wirklich ist. Es ist eine Entdeckungstour, die sich lohnt und dir die Stadt aus einer ganz neuen Perspektive zeigt.
FAQ
Was ist Backsteinexpressionismus?
Der Backsteinexpressionismus ist ein Architekturstil, der hauptsächlich in den 1920er-Jahren in Deutschland entstand und sich durch die Verwendung von Backstein und Klinker auszeichnet. Typisch sind ornamentale, oft kantige oder spitze Formen, die die Dynamik und Spannungen der Zeit ausdrücken sollten. Er steht im Kontrast zur sachlicheren Bauhaus-Architektur.
Welche berühmten Gebäude in Hamburg gehören zum Backsteinexpressionismus?
Die bekanntesten Beispiele des Backsteinexpressionismus in Hamburg sind das Chilehaus, der Sprinkenhof, der Meßberghof und der Mohlenhof im Kontorhausviertel. Auch viele öffentliche Bauten von Fritz Schumacher, wie die Finanzdeputation am Gänsemarkt oder das Krematorium auf dem Friedhof Ohlsdorf, sind wichtige Vertreter dieses Stils.
Warum ist der Backsteinexpressionismus in Hamburg so wichtig?
Der Backsteinexpressionismus ist ein entscheidender Teil der Hamburger Stadtidentität und Architekturgeschichte. Das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus ist sogar UNESCO-Weltkulturerbe. Der Stil spiegelt Hamburgs maritime Geschichte und den Aufschwung des Handels in den 1920er-Jahren wider und zeigt eine einzigartige Verbindung von Funktionalität und künstlerischem Ausdruck.



